Die zweite Chemo stand bevor – wieder dieser schwere Gang, wieder das Gespräch mit der Onkologin, wieder die Frage: Wird es diesmal genauso gut laufen wie beim ersten Mal?
Die Schwester nahm mir Blut ab und legte den Zugang. Dann verabschiedete ich mich für die nächsten drei Stunden von Micha. Er würde in der Kantine seinen Rechner anschmeißen, arbeiten, warten – wie beim ersten Mal. Ich versuchte zu schlafen, viel zu trinken und einfach durchzuhalten.
Nach der Chemo rief ich Micha an. Wir gingen langsam Richtung Auto. Noch bevor wir das Gebäude verließen, merkte ich, wie mein Kreislauf wieder kippte. Ich setzte mich auf eine Bank, Micha legte mir die Füße hoch und besorgte einen Rollstuhl.
Zuhause legte ich mich auf die Couch und versuchte zu schlafen. Doch gegen Abend kam die Übelkeit – hartnäckig, über die ganze Nacht, über den nächsten Tag hinweg. Erst am Sonntagabend konnte ich langsam aufstehen und zu meinen Liebsten gehen. In diesen zwei Tagen verlor ich 2,5 kg. Ich wollte essen, aber es ging einfach nicht. Das frustrierte mich. Micha machte mir Kartoffelbrei – den konnte ich langsam zu mir nehmen. Wenigstens etwas. Es dauerte ein paar Tage, bis ich wieder einigermaßen auf den Beinen war. Wie schnell man doch Kraft verliert.
Bis zur nächsten Chemo versuchten wir, ein paar schöne Momente zu sammeln – im ganz normalen Alltag. Die Welt der anderen dreht sich ja weiter, verständlich. Meine kleine Welt hat Risse bekommen. Trotzdem versuche ich stark zu bleiben. Für meine Kinder. Und für mich selbst.
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