Die Zeit bis zur dritten Chemo am 18. Oktober versuchten wir mit schönen Momenten zu füllen – fast so, als könnten wir die Krankheit für ein paar Tage austricksen. Wir machten einen Familientag auf dem Spielplatz der Glasmanufaktur in Derenburg, ließen die Kinder toben und uns den Kopf frei pusten. Ich gönnte mir einen Nageltermin mit bunten Farben – mach dir das Leben bunt, sagte meine Nageldesignerin, und irgendwie fühlte sich das an diesem Tag richtig an.
Zwischendurch hatte ich einen Termin bei meiner Onkopsychologin in Quedlinburg, frühstückte mit einer ehemaligen Kollegin und trank Kaffee bei Freunden. Kleine Inseln im Alltag, die mir halfen, nicht ständig an die nächste Chemo zu denken. Doch der Termin rückte näher. Unaufhaltsam.
Wie immer fuhr Micha mich. Er kam mit ins Gespräch mit der Ärztin und erwähnte, dass die Tabletten gegen Übelkeit beim letzten Mal nicht gut geholfen hatten. Ich war froh, dass er es aussprach – manchmal fehlte mir die Kraft, solche Dinge selbst anzusprechen. Die Ärztin lud mir ein Rezept für Schmelztabletten auf meine Karte. Ich sollte sie unter die Zunge legen und dort auflösen lassen. Ich hoffte sehr, dass sie besser wirken würden.
Danach verabschiedete sich Micha für den Moment und ging in die Cafeteria, während mir der Zugang gelegt wurde und ich zur Chemo Platz nahm. Diesmal nicht im Bett, sondern auf einem Stuhl, den man zurücklehnen konnte. Ich machte es mir so bequem wie möglich, setzte Kopfhörer auf und hörte einen Podcast. Irgendwann schlief ich ein – eine Art Schutzmechanismus, glaube ich.
Nach drei Stunden holte Micha mich wieder ab. Diesmal hatte er einen Rollstuhl dabei, dazu Kaffee und Kuchen. Er meinte, das würde meinem Kreislauf helfen. Ich musste lächeln – er dachte wirklich an alles. Ich trank den Kaffee und aß den Kuchen, ich glaube, es war Käsekuchen, während Micha mich im Rollstuhl zum Auto brachte. Und tatsächlich: Es lief gut. Ich schloss die Augen und schlief im Auto ein.
Zuhause legte ich mich wieder auf die Couch. Später aß ich eine Kleinigkeit zu Abend und nahm gegen 20 Uhr die Schmelztablette. Um 21 Uhr ging ich ins Bett und hoffte, schnell einzuschlafen, um die Nacht gut zu überstehen.
Und tatsächlich – die Nacht verlief gut. Ich war sehr geschwächt, aber ich war froh, zum Frühstück eine Kleinigkeit essen zu können. Überhaupt war ich froh, dass ich mich diesmal nicht quälen musste. Ein kleiner Sieg, den ich dankbar annahm.
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